|
Das vergangene Jahr ist gekennzeichnet durch die höchste Anzahl
an M&A Transaktionen im Bereich B2B und B2C im Versandhandel
seit
1998
M&A Transaktionen im Versandhandel weisen seit 2001 ein
kontinuierliches
Wachstum auf. Dies betrifft die drei Hauptmärkte:
USA, UK und Deutschland.
In 2006 war das Wachstum mit 107 Transaktionen
gegenüber 2005 mit 78
Transaktionen überdurchschnittlich hoch.
Dies entspricht einem Zuwachs von
35% in 2006.
Entwicklung der M&A Transaktionen – USA, UK, Deutschland*

* nur Mehrheitsbeteiligungen und 100 prozentige Acquisitionen
Quelle: BBR Associates GmbH & Co. KG
Sieht man sich die Zahlen genauer an, so fällt auf dass die Anzahl
der M&A
Transaktionen in UK und Deutschland relativ konstant war,
während der
Hauptteil aller Transaktionen in den USA stattfand,
wo ein jährlicher Anstieg
von annähernd 70% zu verzeichnen
war.
Für diese Entwicklung lassen sich drei Gründe anführen:
(a) die Exsistenz großer B2B Unterenehmensgruppen wie z.B.
Brady, W.W.
Grainger oder Henry Schein haben einen erheblichen Einfluss
auf die
Gesamtzahl der in den USA getätigten Transaktionen.
(b) der B2C Markt für Spezialkataloge in den USA war bislang
unkonsolidiert.
Es gibt keine Marktschwergewichte, wie z.B. die Otto
Gruppe oder Redcats,
die in Relation zur Marktgröße eine übergeordnete
Rolle spielen.
(c) durch die mit dem weltweit größten Verbrauchermarkt
verbundenen
Möglichkeiten zur Nutzung von Skaleneffekten, haben
auch Nischenanbieter
Wachstumspotential und werden somit zu attraktiven
Akquisitionskandidaten.
Im Segment länderübergreifende Transaktionen, ist ebenso ein
Anstieg zu
beobachten. Bei länderübergreifenden Transaktionen
handelt es sich um
Transaktionen, bei denen entweder ein deutsches, amerikanisches
oder
britisches Unternehmen, in Kombination mit einem ausländischen
Unternehmen,
als Käufer oder Verkäufer auftritt. Dieser Bereich
war 2006 mit über 20%
aller Transaktionen stark vertreten. Wie in
den vorangegangenen Jahren
entfiel der Löwenanteil länderübergreifender
Transaktionen auf den B2B Bereich,
in welchem Internationalisierung im
Vergleich zum B2C Bereich eine wichtigere
Rolle spielt. Beispiel hierfür
ist die amerikanische Brady Corp., die in 2006 zehn
Unternehmen akquirierte,
wovon 5 Unternehmen keine amerikanischen
Unternehmen waren.
Verteilung der M&A Transaktionen nach Ländern in 2005
und 2006

Quelle: BBR Associates GmbH & Co. KG
Seit der Versandhandel in den Fokus der Private Equity Gesellschaften
gerückt
ist, sind Finanzinvestoren zum Haupttreiber geworden. Sie
waren an 25 % aller
Transaktionen in 2006 beteiligt, absolut gesehen
waren dies 28 Transaktionen.
Und dies ausschließlich für den
von uns erfassten Bereich der Mehrheits-
beteiligungen und 100 % Akquisitionen.
An der Spitze dieses Trends ist die aus Kalifornien stammende Golden
Gate Capital,
die bezogen auf die Anzahl der Akquisitionen in 2006 der
absolute Vorreiter war.
Golden Gate Capital akquirierte in 2006 insgesamt sechs Versender im
Bereich
Bekleidung: Norm Thompson, Carabella/A.B. Lambdin, Haband, Venus
Swimwear
und Winter Silks. Golden Gates Strategie ist es, die Zielgruppe
der Frau über
fünfzig Jahren ganzheitlich zu bedienen. In diesem
Zusammenhang ist interessant,
dass die Größenordnung der Transaktion
oder die Wertigkeit und Modegrad der
Ware keine Rolle mehr spielen. Carabella/A.B.
Lambdin hatten Umsätze in Höhe
von 30 Millionen Dollar und
Haband steht für ein Massenmarktkonzept. Golden
Gates letzte Transaktion
im Januar 2007, der Kauf der öffentlich notierten Blair
Corporation,
bestätigt diese Strategie.
Strategische Investoren hatten dennoch eine Chance attraktive Unternehmen
zu
akquirieren, wenn sie bereit waren, den entsprechenden Preis zu zahlen.
Dies war
der Fall als Redcats, Frankreich im Mai 2006 das öffenlich
notierte US Unternehmen
Sportsman’s Guide übernahm. Da Private
Equity Gesellschaften Zugriff auf ein
großes Kapitalangebot und
günstige Finanzierungskonditionen haben, sind die
Bewertungen zum
Kauf stehender größerer Unternehmen substantiell angestiegen.
Redcats zahlte das Zwölffache des EBITDA bzw. einen 20%igen Aufschlag
auf den
Aktienkurs für Sportsman’s Guide.
Diese Entwicklung hat auch den europäischen Markt erreicht. Historisch
betrachtet
lagen hier die Transaktionswerte nur selten oberhalb der Grenze
von 1x Umsatz,
unabhängig von der Profitabilität des Unternehmens.
Im Dezember 2006 übernahm
die britische Barclays Private Equity
einen Mehrheitsanteil an Artigiano und zahlte
dafür mehr als das
Zwölffache des EBIT bzw. mehr als das 2-fache des Umsatzes
auf 100%
der Anteile gerechnet. Artigianos historischer Jahres-Umsatz lag knapp
unter 20 Millionen Pfund. Zieht man in Betracht, dass es sich in Europa
um einen
nur moderat wachsenden Markt handelt, erzeugt dies einen immensen
Druck auf
die „frisch Vermählten“ sich in Relation zum
Markt stark überproportional zu
entwickeln, um den gezahlten Preis
zu rechtfertigen.
Wir erwarten für 2007 die Fortführung dieser regen M&A
Aktivitäten, die durch
den Private Equity Sektor getrieben werden.
Durch die hohen Preise bedingt, ist
bereits zu beobachten, dass Private
Equity Gesellschaften ihre Anforderungen
bezüglich Transaktionsvolumen
und Profitabilität der Unternehmen nach unten
anpassen. Darüber
hinaus erwarten wir für Deutschland einige größere Trans-
aktionen,
da der KarstadtQuelle Konzern im Rahmen seiner Restrukturierung
einige
Versender in Randbereichen verkaufen wird.
© BBR Associates GmbH & Co. KG
|