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Das letzte Jahr verzeichnete eine stagnierende Anzahl von Transaktionen sowie einen hohen Anteil von Unternehmensverkäufen aus der Insolvenz heraus.
Die Gesamtzahl der M&A Transaktionen im Distanzhandel in drei Kernländern war mit 95 Transaktionen auf Vorjahresniveau und dies zum Trotz sich einer verschärfenden Finanzkrise. Allerdings war der Anteil an Zielunternehmen, die aus dem Insolvenzverfahren heraus oder kurz vor der Insolvenz verkauft wurden mit ca. 25% aller Transaktionen sehr hoch. Zudem vermuten wir, dass die Dunkelziffer in diesem Bereich noch höher war, da Informationen zur Profitabilität des Übernahmekandidaten bei vielen Zielunternehmen nicht verfügbar waren.
Entwicklung der M&A Transaktionen in den 3 Kernländern USA, UK, Deutschland*

* Ausschließlich Mehrheitsübernahmen und 100% Übernahmen,
bekannt gemachte Transaktionen
Quelle: BBR Associates GmbH & Co. KG
Trotz der Finanzkrise und der negativen Folgeerscheinung für die Private Equity Häuser, sich schwieriger mit günstigen Finanzierungen eindecken zu können, war der Private Equity Boom in 2008 für unsere Branche ungebrochen, denn die Anzahl der M&A Transaktionen mit Private Equity Beteiligung lag mit 25 Transaktionen nur unwesentlich unter dem Vorjahr. Hauptsächlich mag dies an der mittelständisch geprägten Distanzhandels-Branche liegen, in der Finanzierungen leichter darstellbar waren als bei großen Transaktionen sowie ein Fundus an branchenspezialisierten Private Equity Gesellschaften, die sich auf Restrukturierungsfälle konzentrieren.
Bei der Betrachtung der einzelnen geographischen Segmente fällt auf, dass die USA ihren Anteil an allen Transaktionen stark ausbauen konnte, sogar über das Niveau von 2006. Zum einen ist dies durch die rege Akquisitionstätigkeit von Airgas, einem Multichannel-Anbieter von Industriegasen und Zubehör zu erklären, der mit 10 Transaktionen in 2008 kräftig zu Buche schlug. Zum anderen ist die USA ein Frühindikator für Entwicklungen im Bereich M&A und durchaus vorstellbar, dass finanzkräftige Käufer von stark gesunkenen Kaufpreisen und entsprechenden Vorstellungen profitieren konnten.
In UK lag die Anzahl der Transaktionen bei 20 mit einer Transaktion über Vorjahresniveau. In UK ist besonders auffällig, dass bei der Hälfte aller Transaktionen Informationen darüber vorlagen, dass der Übernahmekandidat entweder schon im Insolvenzverfahren steckte oder sich kurz vor Anmeldung einer Insolvenz befand. Zudem gab es eine Vielzahl von sehr kleinen Transaktionen.
Entwicklung der Anzahl der M&A Transaktionen nach Ländern

Quelle: BBR Associates GmbH & Co. KG
In Deutschland lag die Anzahl der Transaktionen mit nur 8 extrem niedrig in 2008. Der Markt ist schon hochkonsolidiert und im Vergleich zu England gab es keine uns bekannten bzw. veröffentlichten Fälle, bei denen ein Verkauf aus einem Insolvenzverfahren heraus stattfand – obgleich auch einige Unternehmen hierzulande kurz vor dem Aus standen, hätte sich kein Käufer gefunden.
Die Anzahl der grenzübergreifenden (“cross-border”) Transaktionen in 2008 hat sich gegenüber dem Vorjahr praktisch halbiert. Mit grenzüberschreitenden Transaktionen erfassen wir solche Transaktionen, in denen wenigstens der Käufer oder Verkäufer in den USA, UK oder Deutschland ansässig ist. Der Gegenpart ist jeweils in einem anderen Land ansässig. In Krisenzeiten besinnt man sich auf die Kernkompetenzen und die sind geographisch meist im Heimatland zu finden.
Erwähnenswert ist, dass das vergangene Jahr im Zeichen von erfahrenen Käufern in unserer Branche stand. Unter den Strategen sind dies insbesondere die großen B2B Multichannel-Händler mit Airgas, Manutan, Staples, Henry Schein, Bechtle und Grainger. Unter den Finanzinvestoren sind dies vor allem Aurelius mit 3 Transaktionen als auch Golden Gate und Sun Capital.
Auch bei der weitaus größten Transaktion in 2008 machten die B2B Mulichannel-Händler das Rennen. Nach einer erbitterten Übernahmeschlacht kam Staples bei Corporate Express mit einem Kaufpreis von ca. 2,6 Mrd. USD zum Zuge.
Weiterhin intensiv beschäftigte sich die Branche mit der Frage nach der Passfähigkeit von Versandhandel und stationärem Einzelhandel. So verabschiedete sich die amerikanische Einzelhandelskette Charming Shoppes von ihrem Engagement an dem Katalogversender Crosstown-Traders mit dem Verkauf von Crosstown-Traders an Golden Gate Capital zu einem Preis von 35 Mio USD. Charming Shoppes hatte Crosstown-Traders erst im Jahre 2005 zu einem Preis von 218 Mio. USD von JP Morgan erworben. Auf der anderen Seite erweiterten z.B. die traditionellen Einzelhändler GAP und Foot Locker mit ihren Akquisitionen ihr Engagement im Katalog- bzw. Direktgeschäft. GAP erwarb Athleta, ein Versender von Sportbekleidung für Damen, spezialisiert auf die Bereiche Yoga, Schwimmen und Jogging. Foot Locker kaufte den Skateboard-Spezialisten CCS von Delia.
Für Redcats war 2008 ein Jahr der Portfoliobereinigung nachdem Redcats in 2007 noch in den USA auf Einkaufstour ging. Redcats verabschiedete sich von der verlustreichen Tochtergesellschaft Empire Stores, indem alle wesentlichen Vermögenswerte in die Hände von Littlewoods übergingen.
Das Jahr 2009 beginnt mit verhaltenen Erwartungen – auch was das Thema M&A angeht. Bei stark gesunkenen bzw. auf Normalmaß zurückgestutzten Kaufpreisen scheuen die Gesellschafter von gut aufgestellten Unternehmen einen Unternehmensverkauf in diesem krisengeschüttelten Umfeld.
Andererseits erwarten wir, dass der Markt in diesem Jahr weiter bereinigt wird, indem sich Konzerne von ihren Randbereichen verstärkt trennen oder diese aufgrund der angespannten Liquiditätssituation gezwungen sind, auch Tafelsilber zu veräußern. Ebenfalls werden Private Equity Fonds im Verlauf der Krise Unternehmensveräußerungen zu suboptimalen Bedingungen in Erwägung ziehen (müssen).
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