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M&A Transaktionen im Distanzhandel – Letztes Jahr ging die Anzahl der M&A Transaktion in drei Kernländern um ca. 10% zurück. Die USA waren überproportional betroffen von diesem Trend.
Bei der diesjährigen Analyse unserer M&A-Datenbank lagen drei brennende Fragen auf der Hand:
Inwiefern ist und war unsere Branche in Bezug auf Unternehmenskäufe von der weltweiten Finanzkrise ab dem 2. Halbjahr 2007 betroffen?
Falls es einen bedeutenden Rückgang von Transaktionen mit Private Equity Beteiligung gab, bis zu welchem Grad konnten strategische Investoren die Lücke schließen?
Welche Trends der letzten Monate geben uns Hinweise auf die kommenden Monate?
Die Gesamtzahl der M&A Transaktionen im Distanzhandel sank um ca. 10% von 106 Transaktionen im Jahre 2006 auf 95 Transaktionen in 2007. Trotz der Finanzkrise, die sich im Laufe der 2. Jahreshälfte zuspitzte, lag die Anzahl der Transaktionen immer noch satte 20% über dem Niveau von 2005.
Jetzt liegt natürlich die Frage nahe, ob es einen Anstieg in der Anzahl der Transaktionen für das erste Halbjahr 2007 gegenüber dem ersten Halbjahr gab und einen entsprechenden drastischen Rückgang der Transaktionen im zweiten Halbjahr 2007 gegenüber dem zweiten Halbjahr 2006. Das war genau das, was wir erwarteten, aber die Antwort überrascht.
Entwicklung der M&A Transaktionen – USA, UK, Deutschland*

* Ausschließlich Mehrheitsübernahmen und 100% Übernahmen,
bekannt gemachte Transaktionen
Quelle: BBR Associates GmbH & Co. KG
Wirft man einen Blick auf die geographische Verteilung der Transaktionen (Deutschland, UK, US und grenzübergreifende Tranaktionen), so wird klar, dass die USA mit einem Rückgang von 16% in der Anzahl der Transaktion überproportional von diesem Trend betroffen war. Allerdings lag die Anzahl der US-Tranaktionen in 2007 immer noch ca. 40% höher als 2005 als in den USA 30 Transaktionen veröffentlicht wurden.
Gräbt man noch etwas tiefer, so stellt man fest, dass der Teufel wie so oft im Detail steckt. Im Jahre 2006 akquirierte z.B. Brady (USA) 10 Firmen im In- und Ausland, während im Jahre 2007 Brady mit »nur« 3 Transaktionen aufwarten konnte.
Die anderen Segmente verhielten sich relativ stabil in 2007. In Deutschland verzeichnete der Markt eine gleichbleibende Anzahl von 13 Transaktionen, und dies in einem weitgehend konsolidierten Markt. In UK war die Anzahl der Transaktionen rückläufig von 22 Transaktionen in 2005, 21 Transaktionen in 2006 auf 19 Transaktionen in 2007. Dies ist wahrscheinlich auf die fortschreitende Konsolidierung in diesem Markt zurückzuführen.
Die Anzahl der grenzübergreifenden (»cross-border«) Transaktionen ging um nur eine Transaktion im Jahre 2007 gegenüber 2006 zurück. Mit grenzüberschreitenden Transaktionen erfassen wir solche Transaktionen, in denen wenigstens der Käufer oder Verkäufer in den USA, UK oder Deutschland ansässig ist. Der Gegenpart ist jeweils in einem anderen Land ansässig. Wenn man berücksichtigt, dass Brady im Jahre 2006 für 5 und im Jahre 2007 für nur 2 grenzübergreifende Transaktionen stand, schließen wir daraus, dass grenzübergreifende Transaktionen auch in 2007 stark im Trend lagen.
Enwicklung der Anzahl der M&A Transaktionen nach Ländern
Quelle: BBR Associates GmbH & Co. KG
Der M&A Markt weist saisonale Schwankungen auf - das erste Halbjahr eines Jahres ist traditionell stärker als das zweite Halbjahr. Deshalb überrascht es nicht, dass es im 2. Halbjahr 2007 mit 45 Transaktionen 5 Transaktionen weniger gab als im ersten Halbjahr 2007 (50). Nichtsdestoweniger ist es eine Überraschung, dass das 2. Halbjahr 2007 sich nur um 5 Transaktionen oder 10% verringerte, besonders im Vergleich zum 2. Halbjahr 2006 als es 12 Transaktionen (20%) weniger gab als im 1. Halbjahr 2006.
Trotz der Finanzkrise und der negativen Folgeerscheinung für die Private Equity Häuser, sich schwieriger mit günstigen Finanzierungen eindecken zu können, war der Private Equity Boom in 2007 für unsere Branche ungebrochen, denn die Anzahl der M&A Transaktionen mit Private Equity Beteiligung lag mit 26 Transaktionen auf Vorjahresniveau. Dies bedeutet, dass die Private Equity Branche ihren Anteil gegenüber den strategischen Investoren weiter ausbauen konnte und jetzt einen Anteil von 27% an allen Transaktionen in unserer Branche hält.
Zu den erwähnenswerten Transaktionen des letzten Jahres gehören insbesondere die folgenden:
Appleseeds/Golden Gate Capitals Übernahme des US Versenders Blair Corporation, einem führenden Unternehmen für preiswerte Bekleidung für Best Ager. Bislang war das die letzte einer Serie von Akquisitionen in diesem Bereich begonnen von Golden Gate im Jahre 2006.
Bridgepoints Zukauf von dem britischen Unternehmen Fat Face, das das führende Multikanal-Unternehmen von Streetwear für die jüngere Zielgruppe in Großbritannien ist.
Celesios (D) Übernahme der niederländischen Doc Morris, der führenden Online-Apotheke im deutschsprachigen Raum. Mit dieser Transaktion sicherte sich Celesio eine starke Stellung in einem Markt, der sich in einem Deregulierungsprozess befindet.
Redcats (F) Akquisition der amerikanischen United Retail Group, eines Spezialisten für große Größen im Bereich Damenmode. Diese Transaktion baut Redcats ohnehin schon starke Position im amerikanischen Multikanal-Markt für Damenoberbekleidung weiter aus.
Sun Capitals (USA/UK) angekündigte Mehrheitsübernahme von Neckermann. Wenn diese Transaktion vollzogen wird, dann wäre dies eine der rar gesäten grenzübergreifenden Transaktionen mit Restrukturierungsbedarf. Nach vielen verlustreichen Jahren wird von den zukünftigen Mehrheitsgesellschaftern erwartet, Neckermann neu aufzustellen und sich neu zu erfinden. Neckermann ist in den vergangenen Jahren zu einem in Deutschland noch selten anzutreffenden “Hybriden“ (Katalog-Versender mit außerordentlich starken Onlineverkäufen und E-Commerce) mutiert. Unter dem Strich ausgezahlt hat sich dies aber bislang nicht, da die rasanten Online/E-Commerce-Zuwächse den Katalogumsatzverfall nicht nur nicht kompensieren konnte, sondern ihn vielleicht gar beschleunigt hat. Dennoch: Sun Capital kann auf genügend „Versender-Erfahrung“ im eigenen Portfolio zurückgreifen, um mittelfristig für Neckermann eine sich von Universalversendern wirklich differenzierende Neuaufstellung vorzunehmen.
Das laufende Jahr 2008 verspricht ein schwieriges Einzelhandelsumfeld in allen drei Ländern zu werden. Wir erwarten, dass das gegenwärtige ökonomische Klima weiteren Druck auf die Unternehmensbewertungen ausüben wird, was dazu führt, dass solche Investoren – sowohl von Finanz- als auch von strategischer Seite – begünstigt werden, die es verstehen, risikoreiche Restrukturierungen durchzuführen, günstige geographische Expansionsmöglichkeiten zu lokalisieren, oder Vermögenswerte in ihren eigenen Strukturen zu konsolidieren. Des weiteren weisen gerade Deutschland und Großbritannien schon einen hohen Konsolidierungsgrad auf. Mit Blick auf diese Situation, erwarten wir für dieses Jahr einen bestenfalls stagnierenden Markt für M&A Transaktionen im Distanzhandel.
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